Die Bilder

Die Geschichte der Kunst hat in Höhlen begonnen und entsteht auch heute noch fern von Kunststudien, Autodidakt z. B. bei Zigeunern, Eingeborenen, geistig Behinderten, psychisch Kranken, Ärzten und anderen ...

Lepra ist für die Betroffenen ein äußerer, aber auch innerer existenzieller Kampf, der mit einem Schock beginnt, sobald die Krankheitsmerkmale sichtbar werden. Sie bedeuten, dass man Dorf, Haus und Familie ohne Chance auf Rückkehr verlassen muss und in die niedrigste Kaste fällt.

Verbannt auf die Straße, in Ghettos und Kolonien, fern von gesunden Menschen, von Almosen abhängig und von der Gesellschaft gemieden, verliert der Körper seine Gefühle und Gliedmaßen. Deformationen verunstalten Hände, Füße und Gesicht.

Lebenserfahrungen sind oft mit Leid und intensiven Klärungsprozessen verbunden. Die Kraft eines Kunstwerkes hängt von der „Geklärtheit“ und Intelligenz des Künstlers ab. Nicht jene Intelligenz, die aus Wissen und Tradition resultiert, sondern die, die sich zwischen den Zeilen unbeweisbar aus Veranlagung und Klärung entwickelt. Künstlerische Arbeiten können immer nur jene Energie transportieren, die dem Künstler eigen sind. Kunst erlernen kann nur Imitation hervorbringen.

Vor Projektbeginn war ich intuitiv überzeugt, dass, wenn „aussätzige“ Menschen ihre unbeschreiblichen innerlichen wie äußerlichen Erfahrungen und Erlebnisse, auf Papier malen, Bilder entstehen müssten die einen ungewöhnlichen künstlerischen und in Folge auch materiellen Wert haben.

Die Qualität der Bilder war in der gesamten Konzeption das große Fragezeichen, da, abgesehen von Handwerkskunst, die von Leprosen in Charity-Fabriken produziert wird, keine künstlerischen Arbeiten vorliegen, in denen dieses Potenzial an Lebenserfahrung umgesetzt wurde.

Schon die ersten Arbeiten waren aber nicht nur künstlerisch qualitativ, sondern auch voller Freude und Humor, spiegelten den Glanz innerer Freiheit wieder und trugen den geheimen Rhythmus einer anmutigen Bescheidenheit in sich.


Das Papier für die Bilder
Die ersten Monate arbeiteten die StudentInnen auf einem gestrichenen 120 g Papier im Format 35 x 55 cm. Für die Schule wurde nun in Puna im Format 33 x 53 cm, 380 g handgeschöpftes Baumwollpapier mit Büttenrand, Leinenoberfläche und Prägung des BINDU Logos hergestellt.


Verkauf der Bilder
Es war vorgesehen die Werke der StudentInnen vorerst nicht für den Verkauf freizugeben, da besonders diese ersten Arbeiten für die Projektdokumentation wesentlich sind.

Nach bereits 2 Wochen wurden die ersten KaufinteressentInnen, zum Unverständnis der StudentInnen, abgewiesen. Um das Selbstbewusstsein der StudentInnen zu fördern, und ihnen ein zusätzliches Einkommen zu ermöglichen, wurde auf die lückenlose Dokumentation verzichtet und die Werke zum Verkauf freigegeben.

Um den Verkauf zu aktivieren wurde der Preis pro Bild vor Ort mit nur € 40,-- (= Einkommen eines Bettlers für 2 Monate) festgelegt. Nach 5 Schulwochen wurde die Klasse von StudentInnen und ProfessorInnen des „Colleges of Fine Arts“ aus Washington besucht. Sie waren von den Arbeiten begeistert und kauften 20 Bilder. Dies war für die StudentInnen ein wesentliches Erlebnis, das das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in ihre Arbeit förderte.