Allgemeines

Lepra, Aussatz oder Mieselsucht, wie sie im Mittelalter genannt wurde bedeutet für die Betroffenen und oft auch für deren Angehörige Isolation und Ablehnung. Mit dem physischen und psychischen Verfall geht der soziale Ausschluss einher. Verstoßen und ausgeschlossen sein bedeutet Familie und Freunde verlassen, den Besitz verlieren, geächtet und zeitlebens zum Betteln verurteilt zu sein.

Wer im Mittelalter in Europa verdächtigt wurde, an Lepra erkrankt zu sein, musste sich einer Lepraschau unterziehen. Diese wurde von sogenannten Leprosenmeistern und später von Gremien aus medizinisch gebildeten Männern durchgeführt. Wurde die Krankheit diagnostiziert, bedeutete dies den durch ein Ritual vollzogenen Ausschluss aus der Gesellschaft und den Verlust aller Rechte. Aussätzige hatten sich mit Klappern oder Glocken bemerkbar zu machen, mussten eine eigene Tracht tragen und Kirchen, Märkte und Volksversammlungen meiden. Sie wurden außerhalb der Städte an verkehrsreichen Straßen in Leprahäusern isoliert, um ihnen so wenigstens das Betteln zu ermöglichen.

Wegen der fehlenden oder oft unausreichenden Aufklärung in den am meisten betroffenen Ländern Indien, Brasilien und Afrika herrschen tlw. auch heute noch solche Zustände. Galt es früher die Patienten primär mit Medikamenten zu versorgen, weiß man heute, dass neben der Medikation Nachversorgung, Rehabilitation sowie die Aufklärung über die Krankheit von außerordentlicher Wichtigkeit sind.

Durch die lange Tabuisierung der Lepra und wegen dem Wissen um die Konsequenzen verheimlichen noch immer viel zu viele Menschen ihre Infektion. Das bedeutet aber nicht nur die eigene Erkrankung, sondern auch die Ansteckung der Mitmenschen. Wird die Krankheit ignoriert und/oder zu spät behandelt, verursacht sie in Folge von Nervenschädigungen Gefühlsverlust, Deformationen, Blindheit und manchmal die Schädigung von Knochen und Organen. Die weit verbreitete Meinung Lepra verursacht das Abfaulen der Gliedmaßen ist nur indirekt richtig. Schuld daran sind eigentlich Verletzungen, die auf Grund der Gefühllosigkeit nicht als schmerzhaft empfunden und somit nicht versorgt werden. Dies ist dann der ideale Nährboden für weitere Keime und Infektionen, die die Verstümmelungen der Gliedmaßen zur Folge haben.