Prävention, Rehabilitation

Lepra wird noch immer mit Mythos, Stigma und Angst verbunden. Dieser Umstand erschwert die Vorbeugung enorm. Durch die lange Tabuisierung der Krankheit und wegen dem Wissen um die Konsequenzen verheimlichen auch heute noch viele Menschen ihre Infektion. Es ist daher von allergrößter Wichtigkeit, die Gesellschaft und die Kranken aufzuklären, dass Lepra eine normale Infektionskrankheit ist, die vollständig geheilt werden kann. Selbst Ärzte wissen oft nicht wirklich über Lepra Bescheid, stellen falsche Diagnosen, sind den Kranken gegenüber abweisend oder behandeln diese aus Angst vor Ansteckung erst gar nicht.

In erster Linie muss der Satz „Lepra ist heilbar“ sosehr in die Köpfe der Gesellschaft eingeprägt werden, dass es selbstverständlich ist, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nur so können in Zukunft Verstümmelungen und Verkrüppelungen verhindert werden. Denn gerade diese Schreckensbilder sind es, die Angst und Stigmatisierung bewirken.

Weitere Schwerpunkte stellt die Aufklärung der Bevölkerung über die genauen Anzeichen der Krankheit, und die Ermutigung zur Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe dar. Nur so kann die Infektionskette unterbrochen, Verstümmelung und Verkrüppelung verhindert werden. Außerdem muss den Erkrankten bewusst gemacht werden, dass die Behandlung nur dann zielführend ist, wenn sie in keinem Fall unterbrochen wird und die Medikamente konsequent über den vorgeschriebenen Zeitraum eingenommen werden. Um das „Abfaulen“ der Gliedmaßen einzudämmen, sind ein gutes Schuhwerk und eine gewissenhafte Versorgung eventueller Wunden unumgänglich.

Wie aus Statistiken hervorgeht, betrifft Lepra alle Bevölkerungsschichten mit unhygienischen Verhältnissen und Unterernährung. So sind Ernährungsprogramme und sauberes Wasser im weiteren Sinn auch als Präventionsmaßnahmen zu sehen, denn eine vitamin- und nährstoffreiche Nahrung würden das Anfälligkeitsrisiko enorm senken.

Da es bereits eine große Anzahl geheilter, aber verstümmelter Menschen gibt, ist die Rehabilitation gleichermaßen wichtig wie die Prävention. Durch die Behinderung und den Verlust von Familie und Arbeit ist es erforderlich dem Geheilten zu helfen, sich wieder in die Gesellschaft eingliedern zu können. Lepra-Hilfsorganisationen bieten hiezu verschiedenste Programme an, um den Wiedereinstieg zu erleichtern. Arbeit, und somit den Unterhalt für sich und die Familie verdienen zu können, spielt hier eine wesentliche Rolle. Groteskerweise stellen sich aber oft die Einzugliedernden selbst gegen eine solche Hilfe – denn als Verstümmelter zu betteln, geheilt oder ungeheilt, ist meist lukrativer als einem geregeltem Job nachzugehen.

Um die Verkrüppelungen und Verstümmelungen der Patienten zu behandeln, stehen heute moderne Verfahren der plastischen Chirurgie zur Verfügung. So können z. B. Sehnen an Händen und Füßen operiert werden, um die Beweglichkeit der Gliedmaßen wieder herzustellen, der defekte Lidschluss kann zum Schutz des Auges korrigiert und fehlende Gliedmaßen durch Prothesen ersetzt werden. Allerdings sind im Anschluss therapeutische Übungen von großer Wichtigkeit, denn nur so kann eine Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess stattfinden.